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Leseprobe aus „ICH WEISS WAS DU DENKST - Das Geheimnis, Gedanken zu lesen“
von Thorsten Havener, erschienen im Rowohlt Verlag 2009

<< (...) Das Experiment wurde schließlich auch in Deutschland bekannt und unter anderem von einem Mann namens Hermann Steinschneider gezeigt. Sein Pseudonym: Erik Jan Hanussen.
Wie so viele Vertreter der Kunst des Gedankenlesens war auch Hanussen eine sehr zwielichtige Gestalt, die es zu zweifelhaftem Ruhm brachte: 1889 als Sohn jüdischer Eltern bei Wien geboren, verdiente er sein Geld als junger Mann mit zum Teil sehr anrüchigen Geschäften. Unter anderem arbeitete er für die Zeitung Blitz, die Gerüchten zufolge Leute damit erpresst haben soll, bestimmte unangenehme Vorkommnisse aus deren Leben ans Licht zu bringen. Hanussen hatte dafür wohl ständig geeignete Kandidaten gesucht.
Neben diesen Aktivitäten hatte er sich sehr intensiv mit den Themen Hellsehen, Hypnose und Telepathie beschäftigt und war nach dem Ersten Weltkrieg zu einem der reichsten und einflussreichsten Künstler im deutschsprachigen Raum geworden. Er war berühmt dafür, seine Telepathie-Experimente mit unglaublicher Geschwindigkeit zu zeigen.
Adolf Hitler war ebenfalls von Hanussens Kunst und seinem Charisma fasziniert und verhalf ihm – trotz seiner jüdischen Wurzeln – zum Durchbruch. Unter anderem gründete Hanussen mit Unterstützung der Nazis den «Palast des Okkultismus » in Berlin. Hier hielt er für die Nazigrößen und die High Society der damaligen Zeit Séancen und okkulte Sitzungen ab.
Nachdem Hanussen 1933 öffentlich den Reichstagsbrand vorhergesagt hatte, wurde er den Machthabern aber offensichtlich zu gefährlich. So wurde er nach einer seiner Vorführungen im März 1933 von den Nationalsozialisten in einem Waldstück bei Berlin erschossen. Seine Leiche entdeckte man erst Tage nach der Tat. Auch wenn Hanussen natürlich ein Mensch von fragwürdiger Moral war, als Künstler hatte er überzeugt. Ihn umgab eine ganz besondere, ungewöhnliche und starke Aura. Seine Lebensgeschichte inspirierte Lion Feuchtwanger zu seinem Roman «Die Gebrüder Lautensack», und Klaus Maria Brandauer verkörpert den Telepathen in dem Film «Hanussen». Dort wird deutlich, welch großes Geheimnis ihn umgab.


Was haben diese Menschen an sich? Was können sie, was andere nicht können? Auf welche Fähigkeiten gründet sich ihr kometenhafter, faszinierender Aufstieg als Gedankenleser? Das sind die Fragen, die auch mich nicht loslassen. Mein – und bald auch Ihr – Geheimnis besteht darin, dass wir erspüren können, in welche Richtung eine Person denkt.
Wenn sich die Aufmerksamkeit auf etwas fokussiert, dann folgt auch die Energie dieser Aufmerksamkeit. Mit sehr viel Training, Selbstvertrauen und Intuition kann jeder lernen, diese einzigartige Kraft, die eine andere Person ausstrahlt, zu erspüren. Der Fachbegriff für diese Art Kraft lautet «ideomotorische Bewegung», also eine Bewegung, die ohne Mitwirkung des Willens unbewusst ausgeführt und nur durch die Vorstellung ausgelöst wird. Sie führt zu unfreiwilligen und nahezu unmerklichen Reaktionen. Bereits 1833 definierte sie der französische Chemiker Michel Eugène Chevreul zum ersten Mal. Als eigentlicher Entdecker dieser ideomotorischen Bewegungen gilt allerdings der Engländer William B. Carpenter, er prägte jedoch keinen Begriff für seine Entdeckung. Er konnte zeigen, dass wir eine Bewegung nur denken müssen, damit unsere Gedanken uns veranlassen, diese Bewegung minimal auszuführen. Wenn Sie also beispielsweise intensiv
an die Wand rechts von Ihnen denken, dann bewegen Sie Ihren Körper unbewusst in diese Richtung. Die Kunst besteht nun darin, jede dieser unmerklich kleinen Bewegungen zu erfassen und dadurch zu wissen, was jemand im nächsten Moment machen will. Bis heute können wir dieses Phänomen nur beschreiben. Wir wissen von dessen Existenz, haben aber keine wirkliche Erklärung dafür.
Ich selbst hatte einen Versuch in diesem Kontext lange im Programm und habe tolle Effekte damit erzielen können. Ich erspürte defekte Teile einer Maschine, fand heraus, welche Pflanze sich ein Zuschauer im Botanischen Garten in München zuvor ausgesucht hatte, und konnte selbst versteckte Gegenstände wiederfinden, die irgendwo in der nicht kleinen Wiener Innenstadt verborgen waren. Meine schönste Erinnerung in diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: In Wiener Neustadt gibt es ein sehr schönes Stadttheater, in dem ich während meiner ersten Tournee einen Auftritt hatte. Zu gegebener Zeit bat ich einen sympathischen Herrn auf die Bühne und stellte ihm folgende Aufgabe: «Bitte seien Sie so nett und schauen Sie von hier oben aus in den Zuschauerraum. Suchen Sie sich eine Person aus, ohne zu sagen, welche.» Danach sollte er, für mich nicht sichtbar, das Aussehen des oder der Ausgewählten auf einem Zettel kurz beschreiben. Diesen steckte er in einen Umschlag. Meine Aufgabe war es nun, das Kuvert der darin beschriebenen Person zu bringen und sie auf die Bühne zu bitten. Dort sollte schließlich die Beschreibung vorgelesen werden, damit alle Zuschauer die Übereinstimmung überprüfen konnten. (...)
Das Basis-Experiment: Gedanken lesen
Auch Sie können mit viel Übung die Grundlagen fürs Gedankenlesen erlernen.
- Legen Sie dazu acht Gegenstände in einer Reihe auf einem Tisch aus.
- Bitten Sie einen Freund, an einen dieser Gegenstände zu denken.
  Versuchen Sie niemals, spontan zu erraten, welchen Gegenstand er sich ausgesucht haben könnte.
  Treffen Sie diesbezüglich nie spontan eine Entscheidung.
- Jetzt bitten Sie Ihre Versuchsperson, Ihr linkes Handgelenk fest zu umgreifen.
   Der Griff muss fest sitzen! Halten Sie Ihre linke Hand ausgestreckt (...)
Den vollständigen Text finden Sie in:
Thorsten Havener
ICH WEISS, WAS DU DENKST

Das Geheimnis, Gedanken zu lesen

Gedankenlesen – ohne Hellseherei oder übersinnliche Fähigkeiten, sondern allein durch das Beobachten des Gegenübers: Gestik, Mimik und Körpersprache lassen den Gedanken ohne gesprochene Worte sichtbar werden.

Mit zahlreichen Experimenten, praktischen Übungen und persönlichen Erfahrungen lädt Thorsten Havener ein, alte Denkmuster zu durchbrechen, sich selbst und seine Umgebung neu wahrzunehmen – und so dem Geheimnis des Gedankenlesens auf den Grund zu gehen.